Gemeinsam weben mit regionaler Wolle oder Leinen: Der #localwoolweavealong lädt ein zu bewusstem Weben mit Material aus der Nähe.
Dieses Jahr freue ich mich ganz besonders darauf. Vielleicht, weil ich jetzt dort lebe, wo ich lebe – umgeben von Bergen, mit Schafen buchstäblich im täglichen Blickfeld. Lokaler geht es kaum. Mit frischer Energie starten Antje Vajen und Mona Knorr bereits in die vierte Runde des Local Wool Weave Along – kurz: #localwoolweavealong / @localwoolweavealong.
Material mit Geschichte
Wie in den vergangenen Jahren geht es um etwas ganz Einfaches – und zugleich Wesentliches: Weben mit regionaler Wolle (oder Leinen). Kein anonymes Garn aus einem großen Lager, sondern Material mit Herkunft und Geschichte. Und vielleicht auch mit einem Tempo, das besser zu meinem heutigen Leben und Arbeiten passt. Wolle von Schafen, denen man fast zuwinken könnte. Flachs, der hier wächst. Garn, bei dem man weiß: Das kommt von irgendwo.
Was ist der #localwoolweavealong?
Sechs Wochen lang – vom 14. Januar bis zum 25. Februar 2026 – wird mit überwiegend regionalen Fasern gewebt. Das kann Schafwolle sein, Alpaka, Angora, Leinen … oder selbstgesponnenes Garn vom Schaf des Nachbarn.
Es geht nicht um Perfektion oder Tempo, sondern um Aufmerksamkeit:
- Woher kommt mein Material?
- Wer steckt hinter diesem Garn?
- Unter welchen Bedingungen ist es entstanden?
Warum eigentlich ein #localwoolweavealong?
Als Antje und Mona 2023 damit begonnen haben, war regionale Wolle noch längst nicht selbstverständlich zu finden. Gemeinsam mit der Community wurden Quellen gesammelt: kleine Höfe, Hofläden, Handspinner:innen und junge Labels, die mit Schäfer:innen zusammenarbeiten.
Diese Suche brachte einen erstaunlichen Reichtum hervor: weiches Mohair, robuste Schafwolle, Alpaka – eigentlich blieb kaum ein Wunsch offen, vorausgesetzt, man war bereit zu suchen.
Von Anfang an war auch klar: Garn beginnt in der Landwirtschaft. Lange bevor wir einen Faden auf den Webstuhl legen, kümmern sich Menschen um Tiere, bauen Flachs an, waschen, kardieren und spinnen. Diese Menschen sichtbar zu machen, ist ein zentraler Teil des Projekts. Deshalb sind in den vergangenen Jahren viele Interviews mit Schäfer:innen, Landwirt:innen und Labelgründer:innen entstanden – zu sehen über @antjevajen / antjewebt auf YouTube.
Enorme Vielfalt
Was dieses Projekt – auch für mich – so inspirierend macht, ist die enorme Vielfalt: handgesponnenes und maschinelles Garn, kleine Probestücke und komplette Kleidungsstücke. Gewebt auf einfachen Rahmen oder computergesteuerten Webstühlen. Alles nebeneinander. Niemand ist besser, niemand „fertiger“ als jemand anders.
Mein Projekt in diesem Jahr
Zum Zeitpunkt des Schreibens habe ich das Garn für mein geplantes Projekt leider noch nicht hier. Und ja – das hat mich kurz geärgert, denn im Kopf war alles schon fertig. Aber genau das ist so ein Moment, in dem ich mir selbst kurz begegne und denke: okay, was geht denn jetzt?
Also habe ich – wie so oft – den Plan gedreht. Stattdessen arbeite ich weiter an einem Projekt, das ich schon begonnen hatte: kleine Quadrate auf dem Zoom Loom (Schacht), mit dem Ziel, daraus eine Decke zu machen. Alle Stücke sind aus selbstgesponnener und teilweise selbstgefärbter Wolle gewebt. Wolle aus meiner niederländischen Zeit, aus der Umgebung, in der wir damals lebten – meist von den Schafen unseres Nachbarn. Genau das macht dieses Projekt für mich zu einem sehr persönlichen Beispiel dessen, wofür der #localwoolweavealong steht.
Wer kann mitmachen?
Die kurze Antwort: alle. Wirklich. Alles, was du brauchst, ist:
Ein Webrahmen oder Webstuhl
Alles ist möglich. Groß oder klein. Bodenwebstuhl, Inkle Loom, Rigid Heddle, ein selbst bespannter Karton oder ein Bilderrahmen mit Nägeln. Webe, was du möchtest: Stoffbahnen, Teppiche, Küchentücher, Bildgewebe, Bänder … ganz wie du willst.
Erfahrung
Anfänger:in oder erfahrene Weber:in – alles mischt sich. In den vergangenen Jahren entstand alles Mögliche: von Lesezeichen bis zu Jacken.
Material
Überwiegend regionale Wolle oder Leinen. Handgesponnen oder maschinell, grob oder fein – Hauptsache, es hat eine lokale Geschichte.
So kannst du mitmachen
Hat dich das neugierig gemacht? So kannst du teilnehmen:
Web-Mittwoch auf Instagram
Teile mittwochs deinen Fortschritt, Fragen oder Ideen. Markiere @localwoolweavealong, damit Beiträge geteilt werden und Austausch entsteht.
Kein Instagram?
Mitlesen und Mitverfolgen ist auch ohne Account möglich.
Verlosung & Abschlussfilm
Aus allen Einsendungen entsteht wieder ein Abschlussfilm – jedes Mal etwas ganz Besonderes.
Letzte Woche ging es los
Am vergangenen Mittwoch ist der #localwoolweavealong gestartet. Und ja: Du kannst jederzeit noch einsteigen – mit jedem Webrahmen oder Webstuhl. Die Hauptsache ist: Es wird gewebt.
In den kommenden Wochen erscheinen außerdem weitere spannende Interviews mit Menschen aus der Welt regionaler Wolle und Textilien:
- Karin Höller – @pommernwolle
Seit 1996 ist aus zwei Pommernschafen eine leidenschaftliche, kleinstrukturierte Zucht mit einer robusten Herde entstanden. Die besondere Pommernwolle ist nachhaltig, regional und hervorragend geeignet zum Spinnen, Stricken und Weben.
- Andrea Eisenbarth – @alles_gewollt
Seit Mitte Juli letzten Jahres mache ich den Instagram-Account von Textilforum – inzwischen mit rund 590 Follower:innen.
Ich bin unglaublich gespannt auf all die unterschiedlichen Projekte, die in diesem Jahr entstehen. Groß oder klein, streng oder verspielt, perfekt oder herrlich unordentlich.
Wenn du Lust hast, bewusster zu weben
Vielleicht steht bei dir seit Jahren ein Webstuhl. Vielleicht fängst du gerade erst an. Vielleicht hast du nur einen kleinen Rahmen und etwas Wolle in einem Korb. Alles egal. Wenn du Lust hast, bewusster zu weben – mit Material, das eine Herkunft hat und eine Geschichte trägt – dann bist du hier genau richtig.
Machst du mit?
Erklärung Uitleg #localwoolweavealong 2026
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